Von der Gründung bis zur Jahrhundertwende

Strahlrohr der Feuerspritze 1816 und Schlüssel zum 1826 errichteten Spritzenhaus
Die Feuerwehr Eibiswald im Gründungsjahr 1873
Diese Tafel hängt nach wie vor im Rüsthaus Eibiswald

„Feuersnot in alter Zeit“
Wie kaum ein anderer Ort wurde unser alter Markt im Laufe der Jahrhunderte von Feuersbrünsten und Marktbränden erschreckenden Ausmaßes heimgesucht. Die geschlossene Verbauung zwischen den beiden Markttoren, die verschachtelten Hinterhäuser, Stall- und Wirtschaftsgebäude hölzerner Bauart mit Schindel- oder Strohdächern begünstigten ein schnelles Weitergreifen eines einmal ausgebrochenen Feuers, welches bei dem Mangel an wirksamen Löschgeräten meist zu schweren Ortskatastrophen führte. In jeder dieser Feuersbrünste ging wertvolles Kulturgut zugrunde. Verluste, die nie wieder ersetzt werden konnten.

„Brandbekämpfung in Eibiswalds Alter Zeit nach Eibiswalder Ratsprotokollen“
Unter dem Eindruck der schweren Brandkatastrophen erließ der Magistrat unseres Marktes schon in früherster Zeit eine Feuerlöschordnung. Landesfürsten und Gubernien dekretierten solche Ordnungen. Bereits im Jahre 1221 entstand die erste österreichische Feuerlöschordnung und im Jahre 1722 die Erste für das Land Steiermark. Dies waren die ersten Ansätze einer aktiven Brandabwehr und Brandverhütung.

Seit 1669 wurden den Bürgerinnen und Bürgern von Eibiswald in Bürgerversammlungen, den „Banntaidingen“, vom Marktrichter alljährlich wiederholt streng aufgetragen: „Eine guete und vorsichtige Obsicht wegen des Feyers zu halten. Weliches Jeden in besonderen betrifft, dem Richter und Rath aber die die Vorsorge oblieget, öfter eine genaue Untersuchung vorzunehmen, wie und auf was Weiß jeder Burger und Haußwirth solches gerade, die Rauchfang und Herdstatt säubere oder zu dessen Verhuetung vorsehung Thue, die nachlässigen und Ybertretter aber zu bestrafen wissen, hiemit zu fehrern einsehen nit Ursach geben wird“.

Neben diesen Verboten und Warnungen wurde auch die aktive Brandbekämpfung organisiert. Eine wichtige Aufgabe fiel dem Nachtwächter zu. Er hatte den nächtlichen Markt zu überwachen und mit dem Stundenruf auf vorsichtige Hantierung mit Feuer und Licht zu erinnern und bei Ausbruch eines Brandes „Feuerio“ zu rufen und die „Polizeyglocke“ am Rathausturm zu läuten.

Die Brandbekämpfungsmittel waren allerdings einfach und wenig wirksam: Feuerhacken zum Einreißen und Vorbrechen, Leitern, ausgepechte Wassereimer aus Stroh oder lederne Eimer sowie auf Karren montierte Bottiche und Fässer zur Wasserzufuhr. Erst 1749 kamen die ersten Spritzen dazu. Es handelte sich um zwei Tragspritzen, die vom Magistrat um 50 Gulden angeschafft wurden.

Der 1. Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Eibiswald, Andreas Kockoll, berichtet über die Gründung der FF Eibiswald:
Anlässlich des auf den 2. Dezember 1873 fallenden 25-jährigen Regierungsjubiläums seiner Majestät, welches in allen Schichten der Bevölkerung, sowie in den Städten, größeren Ortschaften und Gemeinden durch Errichtung von Wohltätigkeitsanstalten gefeiert wurde, wurde auch in Eibiswald der Wunsch rege, durch Errichtung der so notwendigen Feuerwehr, das Regierungsjubiläum zu feiern.
Nach einer Besprechung mit dem Herrn Advokaten Dr. Otto Füster, dem Werksdirektor Ferdinand Knaffl und dem Bürgermeister Johann Paßegger, wurde im September 1873 eine Versammlung in das Gasthaus des „Alois Stelzer“ (Hasewend) einberufen. Diese Versammlung war außerordentlich gut besucht und Herr Dr. Füster wurde zum Vorsitzenden gewählt, welcher sogleich den Zweck der Versammlung erörterte. Anlässlich des Andenkens an das 25-jährige Regierungsjubiläum seiner Majestät, sollte eine Freiwillige Feuerwehr für den Ort und dessen Umgebung gegründet werden.
Diese Anregung fand bei den Versammelten ungeteilten Beifall und Zustimmung, sodass sich sofort aus allen Kreisen der Bewohner an die dreißig Männer als „Feuerwehrmänner“ meldeten und noch in derselben Versammlung die Funktionäre derselben gewählt werden konnten. Mit allen Stimmen der Anwesenden wurden Herr Andreas Kockoll zum Hauptmann und Herr Steuerassistent Johann Paßegger zu dessen Stellvertreter gewählt. Als Rottführer wurden der Bäckermeister Alois Hubmann und Schuhmachermeister Johann Putz gewählt; Kassier wurde der Kaufmann Josef Kieslinger.

Soweit Hauptmann Kockolls Bericht über die Gründung. Seinen weiteren Ausführungen entnehmen wir, dass die neugegründete Feuerwehr nach dem Muster der Grazer Freiwilligen Feuerwehr adjustiert wurde. Die Abrichtung nahm Hauptmann Kockoll im Garten des Gewerkschaftskrankenhauses vor. Die junge Wehr trat zum ersten Mal beim Brand eines Gehöfts in der Nähe des Gasthauses Baier in Aktion.

Die Löschgeräte, die der Feuerwehr von der Marktgemeinde übergeben wurden, hatten sich seit Jahrhunderten kaum verändert: strohgeflochtene ausgepechte Eimer, lederne Feuereimer, einige Handspritzen, Feuerhaken sowie Leitern und Wasserwagen. Bestes Stück war die sogenannte „Fahrspritze“ mit eisernem Wasserbehälter, in den das herbeigebrachte Wasser geschüttet werden musste. Auch die vom Marktrichter 1816 angeschaffte Feuerspritze mit hölzerner „Bütte“ war noch vorhanden.

Spritzen und Eimer waren in der im Jahre 1836 erbauten Löschrequisitenhütte aufbewahrt, Leitern und Feuerhaken waren im Markt verteilt. Im Jahre 1874 widmete die Gemeindesparkasse 500 Gulden „zur Anschaffung einer Feuerspritze des Feuerwehrvereines“. Damit wurde eine Abprotzspritze, System Knaust, mit Druck und Saugwerk zweistrahlig, Strahlstärke 6-15mm erworben. Diese Abprotzspritze hat unserer Feuerwehr bis zum Jahr 1917 beste Dienste geleistet.

Unter dem 4. Hauptmann (tätig von 1880-1883), Herrn Alois Hubmann, wurde einvernehmlich mit der Marktgemeinde die „Pferdebereitschaft“ eingeführt. Im monatlichen Turnus hatten die Pferdebesitzer die Pferde für die Bespannung der Feuerwehrwagen bereit zu halten. Eine Tafel „Pferdebereitschaft“ bezeichnete das Haus mit den Bereitschaftspferden. Prämien für Knechte, die zuerst mit ihren Pferden erschienen, wurden ausgesetzt. Ein neuer Vorderwagen zur Abprotzspritze wurde beim hiesigen Schmiedemeister, Herrn Julius Stramitz (wohnhaft in Eibiswald Nr. 38) angeschafft sowie ein neuer Mannschaftswagen in Auftrag gegeben. Helme, Uniformen, Steiger- und Mannschaftsgurte wurden erhandelt.

Heinrich Kieslinger, 5.Hauptmann von 1883-1884, wies auf Spannungen zwischen der Feuerwehr und dem Bürgertum hin. Die kleinen Handwerker und Werksarbeiter empfanden es als Missachtung, dass das wohlhabende Bürgertum sich nicht herabließ, in der Löschmannschaft mitzutun. Mehr als zwei Jahrzehnte noch litt die Feuerwehr unter dieser unverständlichen Haltung der Bürgerschaft.

In der Ausschusssitzung vom 30.03.1885 wurden vier Feuerwehrmänner wegen häufiger Trunkenheit aus der Wehr ausgeschlossen.

Ins Jahr 1887 fällt die für die Sicherheit des ganzen Marktes bedeutungsvolle Sicherstellung des Löschwassers durch die Errichtung von Löschwasserreservoirs. Nach einem Projekt des Grazer Wasserwerkes wurden im Markt zwei unterirdische Wasserreservoire angelegt. Ein größeres vor dem Hause Nr. 80 mit 364 hl und ein kleineres mit 281 hl gegenüber dem Kloepferhaus. Gleichzeitig wurde der Löschteich beim Hause Nr. 3 („Bretterklieber“) in ein Betonbassin gefasst. Das Wasser zur Brandbekämpfung im Markte war damit sichergestellt.

Die ständige Schwäche der Feuerwehr brachte es 1890 mit sich, dass sich die Leitung des Stahlwerkes entschloss, eine Werksfeuerwehr aufzustellen. Da sich die Angehörigen des Stahlwerkes der Werksfeuerwehr anschlossen, verblieb nur ein kleiner Mannschaftsstand bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Das Jahr 1894 brachte die Einführung von Sanitätskursen mit sich. Die Kurse für die Markfeuerwehr hielt der Arzt Johann Klöpfer ab.

Hauptmann Franz Klug bekam die Wehr nicht in den Griff. Bei der einzigen Übung des Jahres 1899 waren nur acht Mann anwesend. Am 9.10.1899 legten alle Chargen ihre Stellen nieder; Bücher und Kassa wurden dem Gemeindesekretär Josef Pichler übergeben. Die Wehr drohte zu zerfallen. Die Marktgemeinde musste einschreiten und berief für den 18. Jänner 1900 eine Versammlung zwecks „Neubildung der Freiwilligen Feuerwehr“ ein.

Quellennachweis:
Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Eibiswald
Archiv der Marktgemeinde Eibiswald
Fritz Fuchs: Pfarrchronik Eibiswald
Hans Klöpfer: Die Freiwillige Feuerwehr Eibiswald
Othmar Kreuzwirt: Die Feuersbrünste im Markte Eibiswald
Sebastian Payer: Sammlung von Presseberichten
Rudolf Schneebacher: 800 Jahre Eibiswald
Hans Wippel: 100 Jahre Sparkasse Eibiswald
Volksschule Eibiswald: Heimatbuch

 

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